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Kunst als Brücke und Übersetzerin

Der Unic-Preisträgerin Silke Lüdecke mit ihren Nähkreationen ist ein eigener Ausstellungsraum gewidmet
Der Unic-Preisträgerin Silke Lüdecke mit ihren Nähkreationen ist ein eigener Ausstellungsraum gewidmet

Kunst als Brücke und Übersetzerin

Ausstellung der Gruppe „Die Wilderers“ bis zum 25. Oktober in der Kornbrennerei Bredenbeck

Braucht die Kunst von Menschen mit Behinderungen ein besonderes Label? Handelt es sich um „besondere Kunst“, wie der Kunsthistoriker Prinzhorn in den 1920er Jahren meinte? Oder um „Outsider-Kunst“, wie ein neuerer Begriff nahelegt? Antworten auf diese Fragen bietet eine Ausstellung der „Wilderers“ in der Kornbrennerei Bredenbeck bei Wennigsen an. Bis zum 25. Oktober sind dort Acryl-Bilder, Drucke und Näh-Kreationen zu entdecken.

Die „Wilderers“ sind eine über viele Jahre gewachsene Gruppe Kunstschaffender aus den proWerkstätten Himmelsthür. Alle Mitglieder haben eine geistige Behinderung. Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Jedes Mitglied hat einen sehr persönlichen Stil entwickelt, um gesellschaftliche, politische oder private Eindrücke zu verarbeiten und umzusetzen, gegenständlich bis abstrakt. Auf Einladung des Vereins „Kunst hoch 3“ stellt sich das Kollektiv nun erstmals im Raum Wennigsen vor.

„Hier werden behinderte Menschen zu Macherinnen und Machern. Die Kunst dient als Sprachrohr, Brücke, Übersetzerin“, sagte die Kunstpädagogin Almut Heimann, die die Wilderers während der Arbeit im Atelier und zu Ausstellungen begleitet und unterstützt, bei der Vernissage in der Kornbrennerei. Sie stellte klar: „Bei Menschen mit Behinderungen sind prozentual genauso viel talentierte Künstlerinnen und Künstler wie bei nicht behinderten Menschen zu finden.“ Den BesucherInnen der Vernissage empfahl Almut Heimann: „Hier mag jeder selber beurteilen, wie die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler zu bewerten sind.“

Die Ausstellung ist in zwei Abschnitte unterteilt. In einem Raum zeigen die Wilderers aktuelle Bilder, darunter ein großes Hamburg-Tetraptychon von Hans-Joachim Teske oder Gruppenarbeiten wie die „Hildesheimer Rose“. Ein zweiter Raum widmet sich den Näh-Figuren von Silke Lüdecke, die im vorigen Jahr für zwei ihrer „Trosttiere“ mit dem renommierten „Unic“-Designpreis ausgezeichnet worden ist.

Zur Geschichte von Molly und Wanda, so die Namen der beiden Figuren, haben die proWerkstätten mittlerweile auch ein Buch herausgegeben. Im Din-A5-Format entwickelt sich eine spannende, traumhafte Story über eine Rettung aus höchster Not.

Die Stimmung der Vernissage-Gäste war intensiv, sehr interessiert. Es wurde viel über die Arbeiten diskutiert und zahlreiche BesucherInnen nutzten die Gelegenheit, die Wilderes ausführlich zu ihren Bildern zu befragen. Bernd Kolberg, Werkstattleiter der proWerkstätten Himmelsthür, stellte die vielen weiteren Arbeitsfelder der Einrichtung vor, unter deren Dach die Wilderers aktiv sind. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von einem Quartett und einem Duo Ensemble der Sophie-Scholl-Gesamtschule Wennigsen.

Die Ausstellung kann nach vorheriger Absprache mit Familie Warnecke, Telefon 05109-6232, besichtigt werden, außerdem im Rahmen des Bredenbecker Bauernmarkt am Sonntag, 27. September, von 10 bis 18 Uhr. Das Buch „Molly und Wanda“ kann bei den Wilderers für 15 Euro inklusive Versand bestellt werden: almut.heimann@dh-hi.de, Telefon 05121/604-307

Bild und Text: Kultur & Kommunikation

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