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„Diskriminierung darf nie akzeptiert werden.“

Azad-Botan D., Laura H., Delia N. (v.l.nr.)
Azad-Botan D., Laura H., Delia N. (v.l.nr.)

„Diskriminierung darf nie akzeptiert werden.“

Umfrage zum "Zero Discrimination Day" am 1. März

Der 1. März ist der „Zero Discrimination Day“. Im Jahr 2014 haben ihn die Vereinten Nationen erstmals ausgerufen. Unter anderem das Weltkinderhilfswerk, die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) und die Weltgesundheitsorganisation beteiligen sich daran. Ursprünglich sollte der Tag auf die Stigmatisierung von Menschen aufmerksam machen, die sich am HI-Virus infiziert haben. Mittlerweile ist die Aktion zu einer weltweiten Bewegung gegen Benachteiligungen in allen Formen angewachsen. Aus diesem Anlass wurden in der Hildesheimer Innenstadt Passanten gefragt, ob sie Diskriminierung selbst erfahren oder erlebt haben, wie andere Opfer wurden.

 

Azad-Botan D., Student

Ich habe mein Leben lang, seit ich in meiner Kindheit als Flüchtling über die Balkanroute nach Deutschland gekommen bin, Diskriminierung erfahren. Deswegen weiß ich nicht, wo ich anfangen soll. Die schlimmsten Erlebnisse waren aber wohl die, wenn die Diskriminierung von Menschen ausging, die wegen ihrer gesellschaftlichen Stellung selbst Respekt einfordern. Es tut weh, wenn man „Scheißausländer“ oder „Scheißkanake“ genannt wird. Aber auch Alltäglichkeiten, die mich immer wieder mit meinem „Anderssein“ konfrontieren, kommen in den Sinn. Der Klassiker ist das „Kompliment“: Du kannst aber gut Deutsch. Dann fühle ich mich wie ein Tier im Zirkus, von dem die Leute erstaunt sind, über sein Potential. Ich habe aber auch festgestellt, dass Sprache die beste Kraft dagegen ist. Zum einem, in dem man dem Gegenüber argumentativ begegnet. Zum anderen, in dem man immer dazwischen geht. Sobald jemand einen homophoben, rassistischen oder verletzenden Spruch reißt, egal wie „lustig“ der gemeint ist, sage ich „Stopp“. Diskriminierung darf nie akzeptiert werden.

 

Laura H., selbstständig

Diskriminierung erlebe ich leider viel zu oft. Sei es aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts, der Sexualität, des Aussehens oder der körperlichen Verfassung. Ich selbst bin auch schon häufiger diskriminiert worden. Mein Paradebeispiel ist ein Mann, der mir eine Nachricht schickte: „Würde ich so aussehen wie du, würde ich mich erschießen, da hilft nicht mal eine Plastiktüte." Der Grund: Er war nicht damit einverstanden, dass ich meine Beine nicht rasiere. Als bisexuelle, polyamor-lebende Frau „biete“ ich zusätzlich Angriffsfläche. Leider ist auch die LGBTQIA-Community nicht immer diskriminierungsfrei. Ich schäme mich aber nicht dafür, wer ich bin, wen oder wie viele ich liebe oder wie ich aussehe. Daher lasse ich mich da auch von anderen nicht runter machen. Deswegen: Gebt euch niemals damit zufrieden, schlechter behandelt zu werden als andere. Wenn ihr euch ungerecht behandelt fühlt, wehrt euch. Wenn ihr Unterstützung braucht, sucht nach anderen Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund. Das Gefühl, nicht allein zu sein, kann sehr kraftvoll und bestärkend sein. Ihr seid kein Fehler der Natur, ihr seid nicht falsch und ihr seid nicht weniger wert.

 

Delia N., Sonderpädagogin

Ich arbeite mit Menschen zusammen, die eine Lernbehinderung haben, das heißt, nicht die Lernleistung erreichen, die wir von einem „durchschnittlichen“ Schüler erwarten. Ich erlebe es häufig, dass diese Menschen dann im Berufsleben benachteiligt werden, beziehungsweise, dass ihnen häufig erst gar keine Chance gegeben wird. Man muss sehr stark dafür kämpfen, diese Menschen überhaupt erst in den Berufsalltag hinein zu bekommen. Häufig sind dann übrigens die Arbeitgeber überrascht, wie verlässlich, aufgeschlossen und umgänglich diese Menschen dann sind. Denn sie selbst wissen von ihren Defiziten und gerade da arbeiten sie hart an sich, um der Gesellschaft zu zeigen, dass sie eben kein Defizit sind. Ich wünsche mir, dass wir Inklusion nicht nur in Bildung und Arbeit betreiben, sondern dass sich Inklusion vor allen Dingen in unseren Köpfen umsetzt. Damit es als Selbstverständlichkeit und nicht als Extrawurst wahrgenommen wird.

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