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Geborgenheit der vertrauten Umgebung auch auf dem letzten Stück des Weges

Geborgenheit der vertrauten Umgebung auch auf dem letzten Stück des Weges

Diakonie Himmelsthür betreut mit dem Projekt Palliative Care schwer kranke Bewohner und Bewohnerinnen im eigenen Palliativ-Raum

Wenn das Leben zu Ende geht, sind die gewohnte Umgebung und vertraute Gesichter vielen Menschen sehr wichtig. Das gilt umso mehr für Menschen mit geistiger Behinderung, denen die Umstellung auf die ungewohnten Abläufe und fremden Pflegekräfte im Krankenhaus besonders schwer fällt. Die Diakonie Himmelsthür hat das Projekt Palliative Care ins Leben gerufen, um für Bewohner und Bewohnerinnen ihrer Wohngruppen die Pflege bis zuletzt im vertrauten Umfeld möglich zu machen. Dabei soll es nicht nur um die medizinisch-pflegerische Versorgung gehen, sondern um den ganzen Menschen.

Norbert Aust kümmert sich als gesetzlicher Betreuer schon lange um eine heute 77-jährige Bewohnerin: „Sie lebt seit mehr als 50 Jahren in der Diakonie Himmelsthür“, erklärt er die Beweggründe für das Projekt. „Sie kann sich gar nicht vorstellen, in eine andere Umgebung zu kommen.“

Das Projekt beinhaltet zunächst eine Zusatzausbildung für eine Reihe von Mitarbeitenden, die sich zum Teil sogar zur Fachkraft für Palliative Care qualifiziert haben - so wie Heilerziehungspflegerin Nicole Enders. Als langjährige Mitarbeiterin der Diakonie Himmelsthür hat sie auch früher schon Bewohner bis zum Tod begleitet: „Aber die zusätzliche Ausbildung gibt mir viel mehr Sicherheit in schwierigen Situationen.“

Zusätzlich zur Qualifikation der Mitarbeitenden ist im Haus Oberlin ein besonderes Zimmer für Palliativ-PatientInnen eingerichtet worden. Nicht immer können diese in ihren Wohngruppen bleiben, da nicht überall rund um die Uhr spezifisch qualifizierte  Kräfte im Dienst sind.

Durch den Umzug in den Raum für Palliative Care bleiben die Schwerkranken dennoch im gewohnten Umfeld der Diakonie Himmelsthür, vertraute Mitarbeitende werden in die Pflege einbezogen. Der Palliative-Care-Raum wirkt großzügig, hell und modern, die Terrasse ist groß genug, bei schönem Wetter das Bett hinauszuschieben. Angehörige können jederzeit zu Besuch kommen und auf Wunsch auch über Nacht bleiben.

Gleichzeitig ist Tag und Nacht eine optimale Versorgung gewährleistet. Die Mitarbeitenden bringen zusätzlich zu ihren Kenntnissen der Palliativversorgung ihre Erfahrung im Umgang mit Menschen mit kognitiver Behinderung mit. Besonders für solche Patienten, die sich nicht verbal äußern können, ist das von großer Bedeutung. „Wer diese Person lange kennt, versteht sie viel besser und kann deuten, ob eine Äußerung zum Beispiel Hunger, Schmerz oder Zufriedenheit ausdrückt“, sagt Armin Rettig, Wohnbereichsleiter im Haus Oberlin.

Auch Angehörige werden einbezogen. Sie erhalten einerseits selbst Trost und Zuspruch. Sie können aber auch dabei helfen, den mutmaßlichen Willen von Kranken zu ergründen, die nicht mehr für sich selbst sprechen können, wenn keine entsprechenden Verfügungen vorliegen. Denn die Wünsche der schwerkranken Menschen sollen die Grundlage aller Behandlungsmaßnahmen sein.

Die Diakonie Himmelsthür arbeitet bei der Versorgung mit den HausärztInnen und der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung zusammen. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Hospizvereine werden beteiligt, um den Bewohnerinnen und Bewohnern Gesellschaft zu leisten, ihnen vorzulesen oder gemeinsam zu beten.

Beim Umgang mit Sterbenden sei in den letzten Jahren eine Sensibilisierung zu beobachten, erklärt Fachbereichsleiterin Andrea Zimmermann. Früher sei es selbstverständlich gewesen, schwer kranke Bewohnerinnen und Bewohner ins Krankenhaus zu bringen, um das Leben mit allen Mitteln möglichst zu verlängern. Heute gehe es eher darum, in der verbleibenden Zeit eine möglichst hohe Lebensqualität zu erreichen, also nicht mehr Tage dem Leben, sondern mehr Leben den Tagen zu geben.

Für das Gesamtkonzept des Projektes Palliative Care ist die Diakonie Himmelsthür in der Kategorie „Hilfen bündeln am Lebensende“ mit dem Niedersächsischen Gesundheitspreis 2017 ausgezeichnet worden. Kürzlich hat die Diakonie Himmelsthür in Sorsum einen Fachtag zum Thema „Palliative und hospizliche Versorgung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen in stationären Einrichtungen“ angeboten, erstmals in Niedersachsen. Rund 120 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende und Leitungen von Einrichtungen der Eingliederungshilfe und aus Hospizvereinen nahmen daran teil - ein Zeichen dafür, dass dieses Thema zurzeit in vielen Einrichtungen aktuell ist.

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Link zum Diakonischen Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

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