Ein Kapitän in Zeiten großen Wandels

Pastor Ulrich Stoebe hält eine Rede an einem Rednerpult.
"Diakonische Arbeit vollzieht sich nicht im Elfenbeinturm", sagte Ulrich Stoebe bei seiner Verabschiedung als Direktor der Diakonie Himmelsthür.
Viele Menschen in einer Kirche stehen und applaudieren Pastor Ulrich Stoebe zu.
Nach dem Gottesdienst gab es Standing Ovations in der Hildesheimer St.-Andreas-Kirche.
Pastor Ulrich Stoebe trägt einen Talar und steht auf einer Kanzel in einer Kirche.
Pastor Ulrich Stoebe in seiner Abschiedspredigt: "Wie oft habe nicht mir gewünscht, die Mittel und Möglichkeiten wären unbegrenzt."
Mehrere Menschen in einer Kirchenbank
Von links nach rechts: Ines Trzaska (Vorstand), Hans-Joachim Lenke (Vorstandssprecher Diakonie in Niedersachsen), Ulrich Stoebe (ehemaliger Direktor der Diakonie Himmelsthür), Carsten Möllering (Kirchlicher Dienst), Dr. Rainer Mainusch (Vorsitzender Aufsichtsrat), Sylvia Raschke (Bewohnervertretung), Ute Quednow (Kirchlicher Dienst), Florian Moitje (Vorstand)
Ein Mann spielt Trompete in einer Kirche. In den Reihen sitzen viele Menschen.
Eine Kirche voller Menschen.
Eine Kirche voller Menschen, von oben hinten fotografiert, mit Blick auf den Altar.
Ein Pastor auf einer Kanzel in einer Kirche.
Pastor Ulrich Stoebe bei der Predigt seines Verabschiedungsgottesdienstes.
Eine Kirche voller Menschen, von hinten fotografiert.
Ein Pastor auf einer Kanzel in einer Kirche.
Zwei Männer in einer Kirche. Einer steht am Pult, einer vor dem Altar.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Diakonie Himmelsthür, Dr. Rainer Mainusch (links) und der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke, bei der Verabschiedung von Ulrich Stoebe.
Ein Pastor an einem Rednerpult in einer Kirche.
Hans-Joachim Lenke (Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen)
Eine Frau und drei Männer auf einer Kirchenbank.
Von links nach rechts: Ines Trzaska (Vorstand), Ulrich Stoebe (ehemaliger Direktor der Diakonie Himmelsthür), Carsten Möllering (Kirchlicher Dienst), Dr. Rainer Mainusch (Vorsitzender des Aufsichtsrats).
Zwei Pastoren am Altar. Einer hat dem anderen segnend die Hände aufgelegt.
Hans-Joachim Lenke (Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen) nimmt die Aussegnung von Ulrich Stoebe als hauptamtlicher Pastor vor.
Fünf Personen singen in einer Kirche.
Fünf Personen stehen am Altar und beten.
Beim Fürbittengebet aktiv dabei: Carsten Möllering (Kirchlicher Dienst), Dr. Rainer Mainusch (Vorsitzender des Aufsichtsrats), Sylvia Raschke (Vorsitzende des Gesamtbeirats), Florian Moitje (Vorstand), Ines Trzaska (Vorstand)
Zwei Menschen machen mit Trompete und Orgel in einer Kirche Musik. Im Vordergrund das Gemälde eines Trompeters und ein großes Geschenk.
Eine Frau an einem Rednerpult in einer Kirche.
Einleitende Worte zum Festakt der Verabschiedung von Ulrich Stoebe durch die Vorstandsvorsitzende Ines Trzaska.
Ein Mann an einem Rednerpult in einer Kirche.
Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Hildesheim, Dr. Ingo Meyer.
Eine Gruppe von Menschen in einer Kirche.
Regionalgeschäftsführer Ralf Simon präsentiert mit einem Team von weiteren Geschäftsführern und Mitarbeitenden einen Abschiedsfilm, an welchem viele Mitarbeitende mitgewirkt haben.
Menschen applaudieren stehend in einer Kirche.
Standing Ovations für Ulrich Stoebe (rechts im weißen Hemd) zum Abschluss des Festakts.
Ein Mann bedankt sich bei drei Frauen jeweils mit einem Blumenstrauß.
Ulrich Stoebe bedankt sich bei seinen engsten Mitarbeiterinnen für die Zusammenarbeit.
Ein Mann und eine Frau mit Blumen in einer Kirche.
Ulrich Stoebe danke auch seiner Frau für ihre Unterstützung während seiner Dienstzeit.
Viele Menschen neben einer Kirche. Sie stehen in kleinen Gruppen zusammen und unterhalten sich.
Beim anschließenden Empfang vor der Andreaskirche in Hildesheim wurden viele Gespräche geführt und Erinnerungen ausgetauscht.
Eine quadratische, blaue Torte. Darauf angedeutete Wellen, die an einen Strand aus Kekskrümeln stoßen. Darauf ein Strandkorb.
Eine besondere Abschiedstorte sollte den Ruhestand von Ulrich Stoebe versüßen.
Ein Mann vor einem Lieferwagen. Darauf das Foto des gleichen Mannes und ein Zitat von Martin Luther: "Mann kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen."
Die Tochtergesellschaft Catering Himmelsthür hatte sich zum Abschied von Ulrich Stoebe einen ihrer Transporter mit einem Zitat von Martin Luther und dem Foto von Ulrich Stoebe beklebt.

Am Ende gab es Standing Ovations und sehr, sehr langen Applaus. Mit einem Gottesdienst in der Hildesheimer St.-Andreas-Kirche haben rund 150 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft Pastor Ulrich Stoebe aus der Diakonie Himmelsthür verabschiedet. 17 Jahre lang war Stoebe Direktor des Eingliederungshilfe-Unternehmens und Gesellschafter der Tochterunternehmen, nun ist er in den Ruhestand getreten.

Wiederholt wurde Ulrich Stoebe mit einem Kapitän verglichen. Er habe den "großen, etwas rostigen Tanker Himmelsthür" in eine bewegliche Flotte verwandelt, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Rainer Mainusch. Bei Stoebe hätten sich "unternehmerische Souveränität und geistliche Kompetenz" gepaart.

Heute ist die Diakonie Himmelsthür in ganz Niedersachsen vertreten und bietet ihre Dienstleistungen mit zahlreichen Tochterunternehmen an, zu denen unter anderem die Diakonische Altenhilfe der Region Hildesheim, die Gemeinschaftswäscherei, eine Catering-GmbH und eine Immobiliengesellschaft gehören. In Zentrum stehen weiterhin die Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Assistenzbedarf.

Mehr als 3300 Mitarbeitende habe die Diakonie Himmelsthür inzwischen, sagte Stoebes Co-Kapitänin und aktuelle Vorstandsvorsitzende Ines Trzaska. Im Zuge des Inklusions-Prozesses, den Stoebe 2009 eingeleitet habe, seien 636 neue individuelle Wohnangebote und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen worden. Allein in den letzten fünf Jahren habe das Unternehmen über 21 Millionen Euro investiert. Trzaskas Bilanz der gemeinsamen Zeit: "Die Diakonie Himmelsthür steht auf wirtschaftlich sicherem Boden."

Das war durchaus nicht immer so. Als Ulrich Stoebe im Jahr 2004 die Leitung übernahm – nach zehn vorangegangenen Jahren als Superintendent des damaligen Kirchenkreises Hildesheim – drohte der Diakonie Himmelsthür die Insolvenz. "Du musstest und wolltest einen enormen Wandel gestalten", betonte Hans-Joachim Lenke, der Vorstandssprecher des Diakonischen Werkes in Niedersachsen. "Himmelsthür war dein Ort", sagte Lenke, an Stoebe gewandt, und fügte später hinzu: "Ein idealer Ort!" 

Die Umstrukturierung sei ein schwerer Prozess gewesen, so Lenke: "Die Himmelsthür ist keine Kirchensteuer-finanzierte Veranstaltung". Zudem habe das Unternehmen auf große Anforderungen von außen reagieren müssen – unter anderem die Regelungen des Bundesteilhabegesetzes, mehr aber noch auf die 2008 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention. Die forderte ein Umdenken in der Eingliederungshilfe – weg von der Betreuung in Wohnheimen und hin zu individuell angepassten Lösungen in dezentralen Wohnangeboten, mitten in der Gesellschaft.

Diesen Wandel habe "der Uli" souverän gestaltet, sagte Oberbürgermeister Ingo Meyer. Der Umzug in die Stadt hinein, die sogenannte Konversion, sei für die Menschen, aber auch "für die Stadtteile ein großer Gewinn".

Der so Gelobte zeigte sich in seiner Abschiedspredigt nachdenklich. "Wie oft habe ich mir gewünscht, die Mittel und Möglichkeiten wären unbegrenzt. Aber das sind sie nun einmal nicht." Nach 17 Jahren könne er ein ganzes Buch schreiben. Vor allem eins sei aber über all die Zeit deutlich gewesen: "Diakonische Arbeit vollzieht sich nicht im Elfenbeinturm." Sondern im täglichen Leben, und dazu gehörten ­– neben dem Willen, das Bestmögliche zu tun – auch Fehler und Widersprüche.

"Es war eine gute Zeit", schloss Ulrich Stoebe, sichtlich berührt, eine lange Reihe von Danksagungen an sein Team und an die Menschen, die in der Diakonie Himmelsthür leben. Dann ging der Kapitän von Bord und übergab das Ruder an seinen Nachfolger, Pastor Florian Moitje.