Seit die Sparvorschläge einer nicht-öffentlichen Bund-Ländergruppe im Auftrag des Bundeskanzlers bekannt geworden sind, formiert sich vielfältiger Protest. Diesem hat sich auch die Diakonie Himmelsthür angeschlossen – zusammen mit zahlreichen anderen Anbietern aus dem sozialen Bereich, dem Dachverband der Diakonie in Niedersachsen (DWiN) und dem Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe (BeB).
Denn insbesondere in der Eingliederungshilfe (SGB IX) und der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) soll gespart werden. Das beträfe die Kund:innen und Mitarbeitenden der Diakonie Himmelsthür gleichermaßen. Das Alarmierende daran: Kein Vorschlag fragt nach den Folgen für die betroffenen Menschen. Und: Es handelt sich um den systematischen Abbau von Rechtsansprüchen.
Mit der bundesweiten Kampagne „Nicht am Menschen sparen!“ machen Verbände, Anbieter wie die Diakonie Himmelsthür, Mitarbeitende, Angehörige und Menschen mit Behinderungen auf die Folgen der geplanten Kürzungen aufmerksam. Außerdem hat die Diakonie Himmelsthür zusätzlich eine Postkartenaktion gestartet, die Bundeskanzler Friedrich Merz dazu auffordert, an der Bürokratie, aber nicht am Menschen zu sparen.
Bei einer Demonstration mit rund 8.000 Teilnehmenden am 10 Juni 2026 anlässlich der Gesundheitsministerkonferenz in Hannover war die Diakonie Himmelsthür zusammen mit Verdi, der Diakonie in Niedersachsen und zahlreichen anderen Anbietern aus dem sozialen Bereich vertreten und hat gegen geplante Kürzungen im Pflegebereich protestiert.
Die Diakonie Himmelsthür hat außerdem rund 20 Bundestagsabgeordnete der Wahlkreise in Niedersachsen angeschrieben, in denen sie Angebote vorhält. Denn sie möchte mit ihnen über die Sparvorschläge und mögliche Alternativen ins Gespräch kommen sowie die Folgen für die Betroffenen verdeutlichen. Nicht nur aus Sicht der Diakonischen Träger könnten Maßnahmen zum Bürokratieabbau sowie eine stärkere Nutzung digitaler Lösungen zu einer Kostensenkung beitragen. So würde dort gespart, wo Prozesse vereinfacht werden könnten, und nicht am Menschen.
Die bisherigen Gespräche verliefen sehr zugewandt. Adis Ahmetovic (SPD) aus Hannover bekräftigte: „Die Eingliederungshilfe muss geschützt werden.“ Helge Limburg (Bündnis 90 / Die Grünen) aus Holzminden versprach ebenfalls Unterstützung für die Menschen mit Assistenzbedarf und äußerte sich zusätzlich zur Mitarbeiterschaft: „Wir befürworten Tariftreue. Denn nur das ist langfristig gerecht und auch ökonomisch sinnvoll.“ Und Maik Brücker (Die Linke) aus Hildesheim brachte es so auf den Punkt: „Die Konsolidierung des Haushalts kann nicht mit den Mitteln von der Basis durchgeführt werden.“ - Gespräche mit weiteren Politiker:innen zum Thema, unter anderem mit Tilman Kuban (CDU), stehen noch aus.
Und schließlich hat sich die Diakonie Himmelsthür am 24. Juni 2026 an einer weiteren Demonstration vor dem Landtag in Hannover beteiligt: Eine große Zahl von Leitungskräften, Mitarbeitenden und Menschen mit Assistenzbedarf aus ganz Niedersachsen waren dabei (u. a. Wildeshausen, Triangel, Barsinghausen, Hildesheim, Hannover) und haben ihre Rechte lautstark verteidigt. An diesem Tag lag der Schwerpunkt der Proteste bei den Einsparungen in der Behindertenhilfe. In der Mittagspause des Landtags stießen der Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg sowie weitere Minister:innen zu den Demonstrierenden, um ihre Forderungen zu hören und auch selbst zu ihnen zu sprechen. Olaf Lies betonte, dass man angesichts der gestiegenen Kosten nicht nur die Einnahmenseite betrachten könne, sondern auch die Ausgabenseite anschauen müsse, um die Kosten wieder in den Griff zu bekommen. Allerdings müsse genau geschaut werden, wo sinnvoll gespart werden könne. Niedersachsen setze sich zum Beispiel dafür ein, dass das Wunsch- und Wahlrecht nicht eingeschränkt wird.
Die Diakonie Himmelsthür fordert wie viele andere soziale Träger von der Politik ein deutliches Umdenken bei den geplanten Einschnitten. Wer über die Zukunft sozialer Angebote entscheidet, muss die Menschen beteiligen, die unmittelbar betroffen sind – und ebenso die Unternehmen und Einrichtungen, die diese Unterstützung Tag für Tag verlässlich sicherstellen.











