Ein Kapitän in Zeiten großen Wandels Pastor Ulrich Stoebe wird nach 17 Jahren als Direktor der Diakonie Himmelsthür in den Ruhestand verabschiedet

Am Ende gab es Standing Ovations und sehr, sehr langen Applaus. Mit einem Gottesdienst in der Hildesheimer St.-Andreas-Kirche haben rund 150 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft Pastor Ulrich Stoebe aus der Diakonie Himmelsthür verabschiedet. 17 Jahre lang war Stoebe Direktor des Eingliederungshilfe-Unternehmens und Gesellschafter der Tochterunternehmen, nun ist er in den Ruhestand getreten.

Wiederholt wurde Ulrich Stoebe mit einem Kapitän verglichen. Er habe den "großen, etwas rostigen Tanker Himmelsthür" in eine bewegliche Flotte verwandelt, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Rainer Mainusch. Bei Stoebe hätten sich "unternehmerische Souveränität und geistliche Kompetenz" gepaart.

Heute ist die Diakonie Himmelsthür in ganz Niedersachsen vertreten und bietet ihre Dienstleistungen mit zahlreichen Tochterunternehmen an, zu denen unter anderem die Diakonische Altenhilfe der Region Hildesheim, die Gemeinschaftswäscherei, eine Catering-GmbH und eine Immobiliengesellschaft gehören. In Zentrum stehen weiterhin die Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Assistenzbedarf.

Mehr als 3300 Mitarbeitende habe die Diakonie Himmelsthür inzwischen, sagte Stoebes Co-Kapitänin und aktuelle Vorstandsvorsitzende Ines Trzaska. Im Zuge des Inklusions-Prozesses, den Stoebe 2009 eingeleitet habe, seien 636 neue individuelle Wohnangebote und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen worden. Allein in den letzten fünf Jahren habe das Unternehmen über 21 Millionen Euro investiert. Trzaskas Bilanz der gemeinsamen Zeit: "Die Diakonie Himmelsthür steht auf wirtschaftlich sicherem Boden."

Das war durchaus nicht immer so. Als Ulrich Stoebe im Jahr 2004 die Leitung übernahm – nach zehn vorangegangenen Jahren als Superintendent des damaligen Kirchenkreises Hildesheim – drohte der Diakonie Himmelsthür die Insolvenz. "Du musstest und wolltest einen enormen Wandel gestalten", betonte Hans-Joachim Lenke, der Vorstandssprecher des Diakonischen Werkes in Niedersachsen. "Himmelsthür war dein Ort", sagte Lenke, an Stoebe gewandt, und fügte später hinzu: "Ein idealer Ort!" 

Die Umstrukturierung sei ein schwerer Prozess gewesen, so Lenke: "Die Himmelsthür ist keine Kirchensteuer-finanzierte Veranstaltung". Zudem habe das Unternehmen auf große Anforderungen von außen reagieren müssen – unter anderem die Regelungen des Bundesteilhabegesetzes, mehr aber noch auf die 2008 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention. Die forderte ein Umdenken in der Eingliederungshilfe – weg von der Betreuung in Wohnheimen und hin zu individuell angepassten Lösungen in dezentralen Wohnangeboten, mitten in der Gesellschaft.

Diesen Wandel habe "der Uli" souverän gestaltet, sagte Oberbürgermeister Ingo Meyer. Der Umzug in die Stadt hinein, die sogenannte Konversion, sei für die Menschen, aber auch "für die Stadtteile ein großer Gewinn".

Der so Gelobte zeigte sich in seiner Abschiedspredigt nachdenklich. "Wie oft habe ich mir gewünscht, die Mittel und Möglichkeiten wären unbegrenzt. Aber das sind sie nun einmal nicht." Nach 17 Jahren könne er ein ganzes Buch schreiben. Vor allem eins sei aber über all die Zeit deutlich gewesen: "Diakonische Arbeit vollzieht sich nicht im Elfenbeinturm." Sondern im täglichen Leben, und dazu gehörten ­– neben dem Willen, das Bestmögliche zu tun – auch Fehler und Widersprüche.

"Es war eine gute Zeit", schloss Ulrich Stoebe, sichtlich berührt, eine lange Reihe von Danksagungen an sein Team und an die Menschen, die in der Diakonie Himmelsthür leben. Dann ging der Kapitän von Bord und übergab das Ruder an seinen Nachfolger, Pastor Florian Moitje.

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